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Großer Umbruch bei BioNTech: Corona-Standorte werden geschlossen

Kräftiger Stellenabbau bei BioNTech, gleichsam häutet man sich nun endgültig von der Corona-Pandemie und überlässt diesen Part Pfizer. Für die Mitarbeiter an den Standorten könnten sich durchaus neue Lösungen ergeben, wenn mit gezielter Strategie vorgegangen werden würde.

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Das Mainzer Biotech-Unternehmen BioNTech leitet einen tiefgreifenden Umbau ein und zieht sich aus der eigenen COVID-19-Impfstoffproduktion in Deutschland zurück. Bis zu 1.860 Stellen sollen abgebaut werden, rund 22% der Belegschaft. Derzeit beschäftigt das Unternehmen etwa 8.400 Mitarbeiter. Die Aktie reagierte mit einem Minus von rund fünf Prozent.

Konzentration auf Krebs und Mainz

Hintergrund ist die deutlich gesunkene Nachfrage nach Corona-Impfstoffen in Europa und den USA seit dem Ende der Pandemie. Zugleich verweist BioNTech auf veränderte Produktionsstrukturen nach der Übernahme von CureVac sowie auf bestehende Partnerschaften mit Pfizer und Bristol Myers Squibb.

Die Produktion des COVID-Impfstoffs wird vollständig an Pfizer übergeben, während Bristol Myers Squibb die Herstellung des Onkologieprojekts Pumitamig übernimmt, das sich noch in der Entwicklung befindet.

In Marburg kommt es einem Kahlschlag gleich

Im Zuge der Neuausrichtung will BioNTech mehrere Standorte schließen, darunter Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie Einrichtungen aus dem CureVac-Netzwerk. Der Prozess soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Für die betroffenen Standorte werden Verkaufsoptionen geprüft, um die Folgen für die Beschäftigten abzufedern.

Gerade für Marburg ist das die nächste schlechte Nachricht nach der Schließung von Forschung und Entwicklung bei CSL Behring, die noch kurz zuvor in einen Neubau einige Millionen Euro investiert hatte. Dann kam die überraschende Schließungsnachricht.

In der Kommunalverwaltung hatte man sogar die Ansiedlung internationaler Pharmagrößen abgelehnt, weil wegen des Flächenbedarfs von CSL und BioNTech kein verfügbarer Platz vorhanden sei. Das rächt sich nun und lokale Beobachter sprechen von einem äußerst blauäugigen Verhalten (auch ein weiterer Teil der Ausführungen dort zu Marburg ist lesenswert, „Teil 4“ der Serie).

Im „nationalen Interesse“ – oder die Chance für eine Ansiedlung?

Aus der umliegenden Biotech-Szene auch über die hessischen Landesgrenzen hinaus gibt es bereits seit der CSL-Entscheidung Bemühungen und Interesse, die gute Infrastruktur und die erfahrenen Mitarbeiter zu (be)halten. Mit dem Schritt von BioNTech dürften diese Gespräche nun noch mehr Dringlichkeit erhalten. Auch für internationale Ansiedlungspläne könnte sich nun plötzlich ein Fenster öffnen. Hier muss die Lokalpolitik aber geschickter agieren, als das bisher von außen zu beobachten war.

Standort Tübingen: Anschuldigungen von Ingmar Hoerr

Für den Tübinger Erfinder einer mRNA-Vakzinierung-Technologie und Gründer von CureVac, Ingmar Hoerr, kommt die Schließung des dortigen Standortes einem „Verrat“ gleich. In einem LinkedIn-Post erhebt er schwere persönliche Anschuldigungen gegenüber Ugur Sahin.

„Also doch die Übernahme nur wegen den Patentstreitigkeiten“, schreibt Hoerr. „Trotz aller Beteuerungen des BioNTech Managements. Die Investoren haben sich einlullen lassen. Strafzahlungen gemessen an den Umsätzen von Corminaty wären wesentlich höher ausgefallen wie die Übernahme.“ Jetzt bleibe ein „Scherbenhaufen“. Hoerr fährt unter anderem fort: „Das CureVac Logo wurde nach der Übernahme abmontiert und durch nichts ersetzt. Eine namenlose Firma.
Von Anfang an so geplant. Am meisten tut mir die CureVac Familie leid, die über Jahre gewachsen ist, sich gegenseitig unterstützt und sämtliche Krisen bewältigt hat. (…) Die Übernahme hatte nie erfolgen dürfen.“

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